Meditieren geht über Studieren

Wie oft wünschten wir, die Dinge mögen anders sein? Wie oft möchten wir, dass sich Personen in unserem Umfeld verändern? Die Welt ist im Wandel. Doch geht der Wandel in die, von uns als gut bewertete Richtung?

Manchmal ersehenen wir uns eine Veränderung herbei und manchmal wünschten wir, der Augenblick möge nie vorbeigehen.
Steht dann die Veränderung vor der Türe, so haben wir Angst. Jede Veränderung, ob gut oder schlecht heisst, etwas loszulassen damit das Neue Platz findet. Und genau das ist so schwer. Zu erkennen und loszulassen.

Ich hatte Ende Juli meinen letzten Arbeitstag im Büro. Lange habe ich mich darauf gefreut. Vor allem auf all das, was danach kommt. Mehr Zeit für mich, mehr Zeit für Yoga, mehr Zeit um im Jetzt zu sein. Am Folgetag hatte ich dann – wer hätte das gedacht- eine Krise. Eine Achterbahn von Emotionen. Geplagt von Zweifel und Ängsten. Das Veränderungssyndrom halt.

Eine weise Entscheidung, dass ich mich gleich in meinen ersten zwei arbeitslosen Wochen für ein Schweige- und Meditationsretreat angemeldet hatte. So verbrachte ich die zwei Wochen ohne Worte, ohne Handy und ohne sonstigen Reizeinflüssen. Ganz in der Stille.

Na ja, so still war es natürlich nicht. Es war ziemlich was los in meinem Kopf. Es hat geplaudert, geplant, reflektiert, gesungen, gezweifelt und geflucht, freudig zugestimmt, bewertet, und mich danach für das Bewerten und Schubladisieren der Anderen verurteilt… Zum Glück wurde es mit der Zeit etwas ruhiger und zwar, weil ich angenommen habe was auch immer kam.

Wut, Angst, Euphorie, Ungeduld, Freude, Langeweile etc. Sobald ein Gedanke, gefolgt von einer Emotion hochkam und es in meinem Geist zu einer ganzen Story überging, habe ich die Emotion wahrgenommen und gefühlt. Wie fühlt sich Angst an? Wie Ungeduld und wie Langeweile? Sobald ich die Emotion ohne sie zu bewerten angenommen und angeschaut hatte, verblasste sie.

Was ist darf sein, was sein darf Verändert sich.

Und dieser Prozess fängt bei uns selber an. Wir bewerten und verurteilen andere oft deswegen, weil wir uns selbst verurteilen. Weil wir Teile in uns “loswerden“ wollen.
Wenn wir uns selbst so annehmen wie wir sind, auch die versteckten und nicht so gern gesehenen, gefühlten Teile, dann können wir anderen mit viel mehr Toleranz und schlussendlich auch Liebe gegenübertreten. Das gibt Raum. Und genau diesen Raum braucht es, damit eine Veränderung stattfinden kann.

Die Veränderung fängt also zuallererst bei uns selbst an. Erst dann, kann sich auch unser Umfeld verändern.

“If we accept others as they are, they have a chance to transform.“ – Thich Nhat Hanh

 

14.09.2017